Die "neue" Biene: sanftmütig statt stechwütig

Imker Franz-Xaver Mayerhofer geht in der Zucht unkonventionelle Wege -
Spezielle Rassen, gewohnter Ertrag

von Christoph Kasper
Eggenfelden. Es ist schon ein friedlicher Anblick, wenn Franz-Xaver Mayerhofer und Söhnchen Markus ihr Bienenvolk betrachten. Keines der kleinen Tierchen startet auch nur den Versuch, von der Wabe wegzuschwirren oder gar einen der beiden im Gesicht zu stechen. Dabei kennt jeder Imker die schmerzhafte Begegnung mit den Insekten: Eine falsche Bewegung und schon steckt ein Stachel in der Haut. Doch Franz-Xaver Mayerhofer braucht nicht einmal einen Schutzanzug, wenn er die Waben aus den Beuten, wie die Bienenkästen im Fachjargon genannt werden, nimmt. Der Bienenzüchter aus Tiefstadt hat sich auf besonders sanftmütige Bienenarten spezialisiert, die brav an den Waben kleben bleiben, wenn er seine Brut kontrolliert.

Sohn Markus (6) hat keine Angst

"Ich würde meinen Sohn nie so nah an die Bienen lassen, wenn ihm Gefahr drohen würde", erklärt der Imker. Der sechsjährige Markus will es Papas Bienen besonders leicht machen, Nektar zu sammeln und hat Topfblumen geholt. Obwohl er direkt vor dem schmalen Schlitz des Bienenkastens sitzt und hunderte Insekten um ihn herum schwirren, hat er keine Angst, gestochen zu werden. "So etwas wäre früher, als mein Vater noch Bienen züchtete, undenkbar gewesen", erinnert sich Franz-Xaver Mayerhofer.
Seine Bienen, das weiß er inzwischen, stechen nur in absoluten Ausnahmesituationen. "Vor einem Gewitter oder wenn der Bauer nebenan Gülle ausfährt, sind sie etwas gereizt", erklärt er. "Dann muss man sich eben von den Tieren fern halten." Grund für das Zustandekommen der "Liebesbienen" ist Mayerhofers Zuchtstrategie. Denn er züchtet neben der weit verbreiteten Sorte "Carnica" auch die "Buckfast"- Biene und ist damit im Umkreis von 50 Kilometern der Einzige. Diese Rasse stammt ursprünglich aus England, gilt als besonders sanftmütig und schwärmt nicht so häufig aus. Der große Vorteil für Mayerhofer ist, dass seine Bienen viel leichter zu handhaben sind, wenn zum Beispiel die Honigernte ansteht. Und bei der Produktion des Naturhonigs stehe die Buckfast-Biene ihrer Kollegin "Carnica" in nichts nach, denn was Ertrag und Honigqualität beträfe, seien beide Rassen absolut gleichwertig, so Mayerhofer. Von nichts kommt nichts: Der Imker investiert viel Zeit in die Bienenzucht. Während andere ihre Völker sich selbst überlassen, ist Franz-Xaver Mayerhofer jedes Jahr aufs neue bemüht, dass seine Tiere noch braver werden: "Ich achte darauf, nur die Larven von besonders sanftmütigen Völkern für die Aufzucht einer neuen Königin zu verwenden." Das sei natürlich mit viel Arbeit verbunden, denn man müsse verhindern, dass sich die Völker unkontrolliert vermehren. Das Vorurteil vieler Imker, dass Mischformen von "Carnica" und "Buckfast" wiederum sehr aggressiv seien, kann er nicht begreifen: "Das ist absolut falsch, wie man an meinen braven Bienen sehen kann."

Imkerverein hat Nachwuchssorgen

Als Vorstandsmitglied des Eggenfeldener Imkervereins (siehe Bericht auf Seite 29) drückt ihn der Schuh auch noch woanders: "Die Imker der Region werden nicht jünger und der Nachwuchs lässt leider auf sich warten." So hofft Mayerhofer, dass sich nicht zuletzt durch die leichtere Handhabung von braven Bienen auch wieder mehr junge Menschen dazu entschließen, in die Bienenzucht einzusteigen. Zumindest er selbst braucht offensichtlich nicht zu fürchten, dass seine Imkerei nicht weitergeführt wird: Denn der sechsjährige Markus ist ganz fasziniert von den kleinen Geschöpfen und kann sich nur schwer von ihnen trennen, als Papa Franz-Xaver seinen Kontrollgang beendet.

Eine Woche später wurde ein bayerischer Radiosender auf diesen Zeitungsbericht aufmerksam und mein Zuhörerkreis wurde immer größer. Ich fand es gerade aufgrund der kürzlich erschienen schlechten Untersuchungsergebnisse der Stiftung Warentest über Honige gut, jetzt auch aus der Stellung eines Imkers den Honigverkäufer aufzuklären. Alles fing mit einem der Presse zugesandten Foto, wo mein Sohn drei Bienen auf dem Kopf hatte, an. Wir Imker müssen öffentlich mehr präsent sein und brauchen uns mit unserem erzeugten Honig nicht zu verstecken, deshalb tretet für die Sache der Imkerei an die Öffentlichkeit um für mehr Aufklärung, Umsatz und Nachwuchs zu werben. Hier den Radiobericht starten!